die kleine Meerjungfrau

Choreografie Annett Göhre
Bühne/Kostüme Silvio Motta
Video Silvio Motta ¬ Davide Raiola
Dramaturgie Vera Gertz

Die kleine Meerjungfrau
Yun Yeh / Miyu Fukagawa
Der Prinz
Elliot Bourke / Vincenzo Vitanza
Die Meerhexe
Miyu Fukagawa / Nicole Stroh
Schwestern der kleinen Meerjungfrau
Judith Bohlen ¬ Nicole Stroh /
Judith Bohlen ¬ Yun Yeh
Vater der kleinen Meerjungfrau
Adrián Ros Serrano / Federico Politano
Diener der Meerhexe
Federico Politano ¬ Vincenzo Vitanza / Elliot Bourke ¬ Adrián Ros Serrano
Höfische Gesellschaft Ensemble
Unterwasserwelt Ensemble

Bläserquintett
Anne Langhoff / Kerstin Gleitsmann, Flöte
Almut Rönnecke / Burkhard Weber, Oboe
Frank Gareis / Bernhard Knobloch, Klarinette
Matthias Hillmann / Bernd Simanowski, Fagott
Ralf Frank / Erdmut Philipp, Horn

Spieldauer ca. 60min ohne Pause

PERONI

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Zum Stück
Die jüngste Tochter des Meereskönigs rettet einen Prinzen aus seinem sinkenden Schiff und verliebt sich in ihn. Doch ihren Traum, den Fischschwanz gegen Menschenfüße und eine sterbliche Seele einzutauschen, muss sie bei der Meereshexe mit ihrer Stimme bezahlen. Der Prinz hält jedoch eine andere für seine Retterin. Wird er sich trotzdem in die kleine Meerjungfrau verlieben?
Hans Christian Andersens Märchen Die kleine Meerjungfrau betört seit 180 Jahren weltweit als Schauspiel, Oper, Konzertstück, Kino- oder Zeichentrickfilm unter stets neuem Namen: Undine, Rusalka oder Arielle. Doch die Geschichte vom Mädchen, das entweder nicht laufen oder nicht sprechen kann, verlangt geradezu nach der Sprache des Tanzes. Daher nehmen die Choreografin Annett Göhre und ihre Tänzerinnen und Tänzer die kleinen und großen Kinder im diesjährigen Weihnachtsmärchen mit in die Unterwasserwelt. Begleitet wird die kleine Meerjungfrau auf ihrem Abenteuer u. a. von Musikerinnen und Musikern des Philharmonischen Orchesters Plauen-Zwickau.

Märchenstück kommt super an

erschienen am 01.12.2017

Zwickau. Eine kleine Meerjungfrau steht seit gestern ganz weit oben in der Gunst kindlicher Theaterbesucher. Schon bei der Premiere des Tanzstückes nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen haben die rund 400 anwesenden Mädchen und Jungen in der “Neuen Welt” in Zwickau das liebreizende Fabelwesen sofort in ihr Herz geschlossen. Fantasievolle Kostüme, ein blau spiegelnder Boden, der wie Wasser aussieht und Videoprojektionen sorgen in der Inszenierung für eine märchenhaft-wässrige Atmosphäre. Heute ab 9.15 Uhr wird das Stück noch einmal gezeigt. (awo)

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Wo die Wasserwelt das Menschenreich berührt

“Die kleine Meerjungfrau” als Ballett ist in diesem Jahr das Weihnachtsmärchen des Zwickauer Theaters. Das macht dabei eine aktuelle Not zur Tugend.

Von Torsten Kohlschein
erschienen am 14.12.2017

Zwickau. Ob sie nun Undine heißt wie in der Mythologie, Rusalka wie in Antonín Dvořáks Oper oder Arielle wie im Zeichentrickfilm – die Geschichte von der kleinen Meerjungfrau, der der dänische Dichter Hans Christian Andersen von der Sage ausgehend in seinem gleichnamigen Märchen Form verlieh, gehört zum literarischen Welterbe. Wie der weibliche Wassergeist vor der Entscheidung zu stehen, wegen der Liebe zu einem Erdenmenschen seine Stimme einzubüßen und dafür auf Dauer an Land leben zu können, allerdings ohne Möglichkeit der Rückkehr, das rührt an eine elementare menschliche Frage: Was bin ich bereit, für meine Liebe und für die Hoffnung, dass diese erwidert wird, aufzugeben? Die kleine Meerjungfrau, die sich in den Prinzen verliebt, nachdem sie dem Schiffbrüchigen das Leben gerettet hat, lässt ihr altes Leben hinter sich. Zur Erfüllung ihrer Träume kommt es nicht; dennoch hat die Geschichte ein Happy End, wenn auch ein bittersüßes.

Es liegt nah, das Thema tänzerisch darzustellen – für das Theater Plauen-Zwickau hat es jetzt Annett Göhre, Ballettchefin des fusionierten Hauses, mit ihrem Ensemble als diesjähriges Zwickauer Weihnachtsmärchen in Szene gesetzt. Das feierte unlängst im Konzert- und Ballhaus “Neue Welt” Premiere.

Aus der Not, dass das Gewandhaus, Stammspielort des Theaters, zurzeit wegen Sanierung geschlossen ist, machen die Bühnenschaffenden eine Tugend: Getanzt wird statt auf der Bühne in der Mitte des Saalparketts auf einer kreisrunden, silbern spiegelnden Fläche von zwölf Metern Durchmesser. Bewegte Beamer- Projektionen auf Gaze-Vorhängen geben Orientierung zum jeweiligen Schauplatz. Das Publikum verfolgt das Geschehen von Tribünen an den Stirnseiten des Saals und den auf drei Seiten umlaufenden Rängen aus: Das alles ginge im Gewandhaus gar nicht.

Annett Göhre modernisiert die Handlung behutsam. Zwar bleibt die Unterwasserwelt mit ihrer von Silvio Motta liebevoll ausgestatteten, schillernden, vielgestaltigen Bevölkerung, was sie ist. Aus Prinz und Hofstaat der Menschenwelt indes wird ein buntes Partyvölkchen in Strand-Outfit, das, auf dem Meer vom Sturm überrascht, in alle Richtungen flieht. Nur der Prinz (Elliot Bourke/Vincenzo Vitanza) kann sich nicht selbst retten und wird von der kleinen Meerjungfrau (Yun Yeh/Miyu Fukagawa) ans Ufer gebracht. Sie verliebt sich in ihn.

All das, die Wasserwelt, die Welt der Menschen, die Gefühle, die Verwandlung der Meerjungfrau in ein stummes, irdisches Wesen, setzt das Ensemble mit vielfältigen tänzerischen Mitteln in Bilder von unirdischer Schönheit und zarter Poesie um, die zumindest nach kurzer inhaltlicher Vorbereitung des jungen Publikums auf die Geschichte selbsterklärend sind. Und sie gehen weit über die klassische Vorstellung von Ballett hinaus, zeigen den Theaterneulingen, was Tanztheater sein kann. Vor allem: dass dazu nicht zwingend Musik vergangener Jahrhunderte gehört. Der Klangteppich der einstündigen Inszenierung, ein Patchwork aus Playback und Live-Bläserquintett, umfasst ebenso Passagen aus Werken von Sergej Prokofjew, Jacques Ibert und György Ligeti wie von Arvo Pärt, Max Richter, Ólafur Arnalds, Philip Glass, Brian Eno und Jean-Michel Jarre. Klänge teils, auf die manch Erwachsener unwillig oder zumindest nervös reagiert. Aber so kritisch Kinder als Publikum sind, so offen sind sie für Neues – inklusive Musik, abseits des ständig wieder und wieder Gehörten. Und sie geizten nicht mit Applaus.

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